WARUM IST DIESE UNTERSUCHUNG WICHTIG?

Warum eine große Studie zur Journalistenausbildung?

Die einfache Antwort auf diese Frage lautet: Weil die Zeit reif dafür ist. Die letzten theoretischen Auseinandersetzungen mit dem Thema Journalistenausbildung liegen (von einigen sehr speziellen Bereichen wie etwa dem „Europajournalismus“ oder insbesondere dem Onlinejournalismus einmal abgesehen) schon bald fünfzehn Jahre zurück – sie stammen aus der Zeit der letzten Bestandsaufnahme der Diplomjournalistik-Studiengänge im Zeichen der deutschen Wiedervereinigung. Eine umfassende empirische Studie gab es bislang sowieso noch nicht. Das allein reicht natürlich noch nicht als Begründung. Aber wie wäre es damit: Seit sich irgendjemand das letzte Mal richtig Gedanken über die Ausbildung von Journalisten gemacht hat ist für die Medien ein Jahrzehnt der Umbrüche vergangen. Einschneidendere Veränderungen des Arbeitsalltags haben Journalisten wahrscheinlich seit der Einführung des Fernsehens nicht mehr gesehen, sei es nun durch die Digitalisierung, neue Arbeitskonzepte oder ganz einfach aus der Tatsache heraus, dass in den Redaktionen immer weniger Leute immer mehr Arbeit erledigen müssen. Darauf muss die Ausbildung reagieren. Die Frage ist nur, wie?
Die Studie soll zunächst einmal den momentanen Erwartungsstand an die Journalistenausbildung erfassen – und zwar sowohl auf Seiten der Ausbilder als auch auf Seiten der Medien. Wie sollte, muss, kann eine vernünftige Ausbildung für diesen Beruf in den nächsten Jahren aussehen? Nur wenn wir die Erfahrungen und Erwartungen beider Seiten kennen, kann sich eine vernünftige Journalistenausbildung entwickeln.

Warum gerade die Journalistenausbildung an Hochschulen?

Nicht nur der Medienbereich befindet sich seit einigen Jahren in einer Umbruchphase – auch die Hochschulen sind mit der größten Umstrukturierung seit einem halben Jahrhundert beschäftigt. Im Rahmen des so genannten Bologna-Prozesses stellt der gesamte europäische Hochschulraum gerade auf die einheitlichen Studienabschlüsse „Bachelor“, „Master“ und „PhD“ um – und in Deutschland bedeutet das nicht bloß eine Umetikettierung, sondern den Abschied von unserem traditionellen Studiensystem. Lange, umfassende Studienprogramme – das war einmal. Heute lautet die Devise: Möglichst berufsorientiert studieren und dann ab auf den Arbeitsmarkt! Viele sehen in diesem Ansatz natürlich den Untergang aller humboldt’schen Prinzipien, die der deutschen Akademia seit Jahrzehnten ans Herz gewachsen sind. Andere wiederum halten die Weiterentwicklung des Hochschulsystems für unverzichtbar.
Auf jeden Fall bietet sich in der allgemeinen Umbruchphase gerade im akademischen Bereich der Journalistenausbildung die Möglichkeit zu modernisieren, Neues mit in das Studium ein zu beziehen, Altes vielleicht zu streichen. Die Hochschulen bieten sich zur Zeit also gerade zu an als Ort, an dem eine zeitgemäße, den Umbrüchen im Medienbereich gerecht werdende Journalistenausbildung entwickelt werden kann.


Mehr als nur eine Umetikettierung Der Bologna-Prozess